
Herzblatt.
Hier schreibe ich über das Leben, wie ich es erlebe – über Umbrüche,
Entscheidungen und das, was mich gerade bewegt.
Vielleicht findest du dich darin wieder.

LEBEN · MENTORING · Sommer 2026
Eine Frage. Entscheidend.
Ich fahre auf Sicht. Seit Jahren schon. Keine Jahrespläne mehr, keine Listen, die bis Dezember reichen. Vor ein paar Jahren hat mich das Außen dazu gezwungen. Am Anfang hat mich das unruhig gemacht – als würde ich nachts über eine Landstraße fahren und nur das Stück sehen, das die Scheinwerfer gerade erreichen. Die Angst, etwas nicht mehr im Griff zu haben, die ist immer mitgefahren. Heute erlebe ich das anders. Ich vertraue mehr. Ich sehe immer genau so weit, wie ich gerade sehen muss. Es ist luftiger. Leichter. Und es passt zu mir – besser, als ich mir lange eingestehen wollte. Und dann, mitten im Sommer, war sie da. Eine Frage, die sich nicht angemeldet hatte. Kein konkreter Anlass. Kein triftiger Grund. Nichts im Außen, das sie gerufen hätte. Nur dieser Drang von innen, leise und beharrlich wie ein Klopfen an der Tür. Wer bin ich ohne meinen Laden? Dreiundzwanzig Jahre. Dreiundzwanzig Jahre meines Lebens, dreiundzwanzig Jahre INTRO. Die Tür im Bahnhof, die Bücher, die schönen Dinge, die Gespräche, die Workshops an der langen Tafel. Und nun diese Frage, die sich anfühlte, als würde jemand den Boden unter mir ein kleines Stück wegziehen. Ich setzte mich an den See, ein leeres Blatt vor mir, und wartete auf eine Antwort. Es kam: nichts. Das Blatt blieb weiß. Das Wasser glitzerte, als ginge es das alles nichts an. Ich blieb trotzdem sitzen. Und irgendwann, ganz zaghaft, schrieb ich ein erstes Wort. Dann ein zweites. Eigenschaften, die in keinem Schaufenster liegen. Dinge, die ich gelernt habe, oft auf dem unbequemen Weg. Erfahrungen, die längst nicht mehr nur dem Laden gehörten, sondern mir. Das Blatt füllte sich. Langsam. Und am Ende stand da etwas, das ich gar nicht gesucht hatte: mein Mentoring. Die Idee, all das weiterzugeben – an Frauen, die wie ich allein unterwegs sind und trotzdem nicht allein sein müssen. Mir wurde bewusst, dass das schon Jahre in mir mitschwingt. Jetzt habe ich mir den Raum genommen. Leicht ist es trotzdem nicht. Es gibt Tage, an denen der Zweifel lauter ist als alles andere. Dann melden sich Stimmen im Kopf: zweifelnd, unbarmherzig, kritisch. Das Kopfkino läuft. Ich lasse es laufen. Ich glaube ihm nicht mehr alles. Was für ein Geschenk, sich auf unangenehme Fragen einzulassen. Vielleicht gibt es auch in deinem Leben gerade so eine Frage. Eine, die erst Angst macht. Was wäre, wenn du dich einfach mal mit ihr ans Wasser setzt? Und darauf vertraust, dass alles einen tieferen Sinn hat, den es zu entdecken gilt.

LEBEN · ENTSCHEIDUNGEN · Dezember 2024
Vom inneren Nein.
Manche Entscheidungen fallen mir leicht. Nicht, weil sie klein wären. Sondern weil ich ganz genau weiß, was ich nicht mehr will. Zwei Tage nach Weihnachten. Brandnertal, 2024. Draußen der Winter, drinnen der Duft von Kaffee. Ein langes Frühstück mit der Familie, eines von denen, bei denen niemand auf die Uhr schaut. Die Tage zwischen den Jahren, in denen die Zeit ein wenig langsamer läuft. Hinter mir lag ein wirtschaftlich und personell schwieriges Jahr. Ich hatte gespürt, dass vieles für mich nicht mehr stimmig war. Schon lange. Und ich hatte weggeschaut. So wie ich manchmal eben wegschaue, wenn ich hoffe, dass sich die Dinge von selbst wieder regeln. Dann klingelte mein Telefon. Ich stand auf, ging ein paar Schritte vom Tisch weg und nahm ab. Und schon beim ersten Ton wusste ich es. Nicht im Kopf. Sondern tief in meinem Bauch. Da, wo ich Dinge weiß, bevor ich sie denken kann. Ich ging zurück an den Tisch, setzte mich und sagte nur einen Satz: „Das neue Jahr wird definitiv anders laufen.“ Manchmal stellt mir das Leben Stoppschilder auf. Genau dort, wo ich lange genug vorbeigeschaut hatte. Dieser Anruf war nicht der Grund. Er war ein letzter Tropfen. Die Klarheit war sofort da. Der Mut noch nicht. Vier Wochen lang habe ich nach innen geschaut. Ich habe Pro und Contra gewogen. Hin und her. Habe mit mir gehadert. Und ich habe lange Gespräche geführt – mit meinem inneren Team. Aber auch mit dem Widder in mir, der mutig vorprescht und trotzdem treu ist. Und mit dem Krebs in mir, der sich so sehr nach Harmonie sehnt. Und dann, eines Morgens, war er da, der neue Weg: Ich arbeite ab jetzt ohne Mitarbeiterinnen. Das Außen hat mir gezeigt, dass es Zeit war, mir Klarheit zu verschaffen: wie ich arbeiten will – und wie nicht mehr. Ich probiere das jetzt einfach mal aus, habe ich mir gesagt. Ändern kann ich es jederzeit wieder. Der Weg war nicht fertig, nicht ausgeleuchtet. Mit vielen Fragezeichen. Aber mit einer klaren inneren Haltung, die sich anfühlte wie fester Boden unter den Füßen. Heute schaue ich zurück und bin glücklich mit meinem neuen Leben. Ich habe es so gebaut, dass es zu mir passt – als Alleinerziehende mit einem Sohn, der damals dreizehn war. Mein Leben fühlt sich freudig an. Leicht. Auch im ganz normalen Alltag im Laden. Und wenn es heute irgendwo zwickt und zieht, schaue ich lieber ein bisschen früher hin. Dann braucht es auch die Dramen nicht mehr.